Die Moschee als Institution der Sozialen Arbeit – Empirische Begründung am Beispiel des I.I.S. e.V.

(Dieses Handout haben TeilnehmerInnen einer Fortbildung zum Thema Islam erhalten, veranstaltet am 20.November 2013 vom jährlichen Forum des Dezernats für Kinder, Jugend und Familie des Bistums Limburg am 20.November 2013. Auch StudentInnen der Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam innerhalb des Seminars von Dr. Naime Cakir, „Interdisziplinäre Islamforschung“ 16. Dezember und 08. Januar 2014 haben die Handreichung im Rahmen eines Gastvortrags erhalten.)

 

Anhand Auszüge einer Studie wird in dieser Abhandlung beispielhaft anhand des Exempels des I.I.S. e.V. belegt, dass Moscheegemeinden auch Sozialeinrichtungen sind bzw. sein können. Die Auszüge stammen aus meiner Masterarbeit „Leitbilderstellungsgrundsätze für Moscheegemeinden mit Fallbeispiel und unter Einbeziehung einer Begründung von Moscheegemeinden als Sozialeinrichtungen“, welche mit einer glatten „2“ bewertet wurde.

Die empirische Studie setzt sich aus Experteninterviews (vier Fachleute für den sozialen Bereich in der Moscheegemeinde des I.I.S. e.V.) sowie aus einer Onlineumfrage zusammen. Die Umfrage richtete sich an alle Interessengruppen, welchen der I.I.S. e.V. Dienstleistungen bzw. Aktivitätsfelder anbietet, d.h. Verantwortungsträger aus dem Aufsichtsrat des Vereins, ehrenamtlich Engagierte, Nutzer bzw. Besucher sowie externe Kooperationspartner. Die Gruppe der Fachleute setzt sich einerseits aus Freitagspredigern sowie andererseits aus Verantwortungsträgern innerhalb des Vorstands zusammen, welche darüber hinaus auch in den wichtigsten AG`s der Gemeinde1 Verantwortung tragen. Die analysierten Experteninterviews liefern Ergebnisse zu folgenden Thematiken:

  • Der geschätzte Anteil von sozialarbeiterischen Dienstleistungen an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde
  • Die empfundene Wichtigkeit von sozialen Dienstleistungen der Moscheegemeinde
  • Die Ansicht, inwiefern zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moscheegemeinde auch soziale Dienstleistungen gehören

Die Frage nach übereinstimmenden Tätigkeitsmerkmalen zwischen Sozialarbeitern und Verantwortungsträgern von Moscheegemeinden im Bereich des Sozialen.

An der Onlineumfrage haben insgesamt 73 Personen teilgenommen, darunter 47 einfache Moscheebesucher, 10 Engagierte sowie 16 externe Kooperationspartner.

Folgender Fragestellungen bzw. Thematiken werden in der Onlineumfrage abgehandelt:

  • Die Inanspruchnahme der Befragten von sozialarbeiterischen Diensten in der Moscheegemeinde sowie die Kenntnis über solche Fälle
  • Der geschätzte Anteil von sozialarbeiterischen Dienstleistungen an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde
  • Kenntnis über in der Moschee geleistete soziale Dienste
  • Unerfüllte Nachfrage von sozialarbeiterischen Dienstleistungen der Moscheegemeinde
  • Die empfundene Wichtigkeit von sozialen Diensten seitens der Moscheegemeinde
  • Die Ansichten dazu, inwiefern zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moscheegemeinde soziale Dienstleistungen gehören

Die Kategorien der Befragten

Bezogen auf die verschiedenen Kategorien in Punkto Personen/Interessensgruppen, welche der Autor innerhalb der empirischen Forschung bildete, sei Folgendes festgehalten:

Moscheebesucher sind nach dieser Definition keine Mitglieder und nicht im I.I.S. e.V. aktiv engagiert – somit auch nicht verantwortungstragend. Sie werden als Interne Nutzer bezeichnet, weil sie die Angebote des Vereins wahrnehmen, um als Muslime ihre Religion auszuüben. Die internen Nutzer bestehen vor allem aus Einzelpersonen, welche das Freitagsgebet regelmäßig besuchen, interne Nutzer sind jedoch auch andere Moscheegemeinden, welche Schulungsangebote des Vereins aufsuchen, um ihre deutschsprachige Gemeindearbeit dadurch zu fördern.

Externen Kooperationspartner können Einzelpersonen oder Institutionen sein, welche die Angebote des Vereins aus anderen Gründen wahrnehmen, als den Islam zu praktizieren. Dazu zählen Partner aus der Dialog-, Bildungsarbeit, und Sozialen Arbeit sowie Nutzer, welche im Rahmen eines kulturellen Auftrags unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Engagierte werden hier als solche definiert, die außerhalb des Aufsichtsrates und des Vorstandes innerhalb des Vereins aktiv sind. Insofern kann man sie auch zu den Internen Nutzern zählen, da sie die Vereinsangebote für die aktive Beteiligung nutzen- und sei es nur durch Mitgliedschaft. Interne Nutzer hingegen nutzen die Vereinsangebote auf eine passive Weise.

Die Mitglieder im Aufsichtsrat (15 an der Zahl) sind in dem Sinne Verantwortungsträger, da sie von den 120 Mitgliedern des Vereins dazu ernannt wurden, aus ihrer Mitte den Vorstand zu wählen und über die Vereinsaktivitäten zu wachen.

Die Mitglieder des Vorstands (insgesamt fünf) leiten jeweils einen definierten Bereich mit Aufgaben eigenverantwortlich und kommen darüber hinaus mindestens monatlich zusammen, um alles Bereichsübergreifende miteinander zu besprechen und per Mehrheitsprinzip zu entscheiden.

Mit Theologen/Imamen (drei an der Zahl in der Gemeinde des I.I.S.e.V.) ist religiös gebildetes Personal gemeint, welches die Freitagspredigt und andere religiöse Vorträge hält sowie religiös- sozialarbeiterische Verantwortung in der Gemeinde trägt. Um diese Aufgaben zu tragen, bedarf es keines abgeschlossenen Studiums, vielmehr ist die Wahrnehmung des Aufsuchenden in Bezug auf die Kompetenz des Angefragten entscheidend.

Auswertung des Experteninterviews

a) Der geschätzte Anteil von sozialen Diensten an den Gesamtleistungen2

Der geschätzte Anteil von sozialen Diensten an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde in % Bemerkung Diskussion
41,25% Durchschnittswert Streuung der Antworten von 20% bis 70% Wann ist eine Einrichtung eine Institution der Sozialen Arbeit?

b) Die empfundene Wichtigkeit von sozialen Dienstleistungen seitens der Moscheegemeinde3

Stimme überhaupt nicht zu X (Durchschnittswert) Stimme voll und ganz zu

Bemerkung: Geringe Streuung, alle Angaben innerhalb des zustimmenden Bereichs der Skala

c) Ansichten, inwiefern zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moscheegemeinde auch soziale Dienstleistungen gehören4

Anzahl der Stimmen, welche sich für den jeweiligen Zu- bzw. Ablehnungsgrad innerhalb der Skala entschieden

Stimme überhaupt nicht zu 112Stimme voll und ganz zu

Bemerkung: Die einzige Ablehnung der Aussage wurde dahingehend erklärt, dass es nicht grundsätzlich eine Aufgabe der Moschee ist, soziale Dienstleistungen durchzuführen, sondern lediglich aufgrund der Lage der Muslime in Deutschland eine Dringlichkeit besteht, da keine islamischen Sozialeinrichtungen in Deutschland etabliert seien.

d) Die Frage nach übereinstimmenden Tätigkeitsmerkmalen zwischen Sozialarbeitern und Verantwortungsträgern von Moscheegemeinden im Bereich Soziales5

Die Tätigkeitsmerkmale der Arbeit der vier interviewten Experten für Soziales innerhalb der Moschee decken sich zu großen Teilen mit denen von Sozialarbeitern. Den Experten wurden 33 Tätigkeitsmerkmalen zur Auswahl angeboten, um ihre Arbeit zu beschreiben. Diese ergaben sich aus einer offenen Befragung von 299 Sozialarbeitern bezüglich der Tätigkeitsmerkmale, welche ihre Arbeit am treffendsten charakterisieren. Die ersten elf genannten Tätigkeitsmerkmale der Fachleute deckten sich zu ca. 82% mit den Antworten der Sozialarbeiter. 6) Das obere Drittel der genannten Tätigkeitsmerkmale kam durch ca. 2/5 (40,5%) der SozialarbeiterInnen zustande und wurde von den befragten Experten zu 81,81% bestätigt.
Insofern kann die angebotene Tätigkeitsmerkmalpalette als umfassend angesehen werden, als dass nur ein Befragter vier weitere Merkmale vorschlug, um die Liste zu ergänzen.

e) Zwischenergebnis der Experteninterviews

Die jeweiligen Abhandlungen der vier thematisierten Fragen lassen allesamt den Schluss zu, dass es sich bei der Moscheegemeinde, welche Gegenstand der Befragung war, um eine Sozialeinrichtung handelt, da der geschätzte Anteil von sozialarbeiterischen Dienstleistungen an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde wie auch die empfundene Wichtigkeit von sozialen Dienstleistungen seitens dieser signifikant hoch ausfiel. Weiterhin den Befund stärkend ist die überwiegende Ansicht der befragten Experten, dass zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moscheegemeinde auch soziale Dienstleistungen gehören. Ebenfalls diesen Schluss bestätigend, ist die häufige Übereinstimmung der wesentlichen Tätigkeitsmerkmale von Sozialarbeitern und Verantwortungsträgern für Soziales innerhalb der befragten Moscheegemeinde.
Weiterhin die Perspektive der Moscheegemeinde als Sozialeinrichtung stützend ist die Tatsache, dass über die innerhalb der Moscheegemeinde geleisteten sozialen Dienste hinaus noch weitere Angebote nachgefragt werden.7

Auswertung der Onlineumfrage

a) Die Inanspruchnahme der Befragten von sozialarbeiterischen Dienstleistungen in der Moscheegemeinde sowie die Kenntnis über solche Fälle8

Eigene Inanspruchnahme von soz. Dienstl. in der Moschee Kenntnis über solche Fälle in % Kenntnis über solche Fälle in %
Teilnehmende (Durchschnitt) 37% 44%
Moscheebesucher 44% 45%
Engagierte 30% 60%
Externe Kooperationspartner 31% 31%

b) Der geschätzte Anteil von sozialarbeiterischen Dienstleistungen an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde9

Geschätzter Anteil von soz. Dienstl. an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde in %
Teilnehmende (Durchschnitt) 53%
Moscheebesucher 53%
Engagierte 70%
Externe Kooperationspartner 46%

Bemerkung: Die unterschiedlichen Einschätzungen der Engagierten und Nutzer lassen sich damit erklären, dass die Engagierten durch ihre Tätigkeiten mehr Einblick in die Gemeinde gewonnen haben und/oder den Anteil aufgrund ihres eigenen sozialen Engagements entsprechend höher schätzen.

c) Kenntnis über in der Moschee geleistete soziale Dienstleistungen10

Art der sozialarbeiterischen Dienstleistung KundigeUnkundige
Art der sozialarbeiterischen Dienstleistung KundigeUnkundige
Begleitete offene Jugendtreffs 63 (ca. 86%) 10 (ca. 14%)
Offener Treff für Frauen 62 (ca. 85%) 11 (ca. 15%)
Spendensammlung bei einzelnen sozialen Notfällen 61 (ca. 84%) 12 (ca. 16%)
Beratung/Bildungsangebote rund um das Thema Familienleben (bspw. Eheleben, Umgang mit Eltern/Kindern…) 56 (ca. 77%) 17 (ca. 23%)
Netzwerkarbeit und Kooperationen mit anderen Einrichtungen der Sozialen Arbeit 56 (ca. 77%) 17 (ca. 23%)
Seelsorgeangebote 55 (ca. 75%) 18 (ca. 25%)
Kinderbastelgruppen 54 (ca. 74%) 19 (ca. 26%)
Freizeiten und Ausflüge mit Jugendlichen 53 (ca. 73%) 20 (ca. 27%)
Wöchentliche Speisung für Bedürftige 53 (ca. 73%) 20 (ca. 27%)
Mitarbeit gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit 45 (ca. 62%) 28 (ca. 38%)
Beratung/Bildungsangebote rund um das Thema Gesellschaft (bspw. Migration, Einbringung in die Gesellschaft, Diskriminierung…) 43 (ca. 59%) 30 (ca. 41%)
Übernachtungsmöglichkeiten für in Not Gekommene 39 (ca. 53%) 34 (ca. 47%)
Beratung/Bildungsangebote rund um das Thema Jugend (bspw. Drogen, Alkohol, Gewalt, Sexualität…) 39 (ca. 53%) 34 (ca. 47%)
Beratung/Bildungsangebote rund um das Thema Schule, Ausbildung, Studium und Beruf 31 (ca. 42%) 42 (ca. 58%)
Inklusion 31 (ca. 42%) 42 (ca. 58%)
Förderung von politischer Teilhabe 28 (ca. 38%) 45 (ca. 62%)
Stadtteilarbeit 27 (ca. 37%) 46 (ca. 63%)
Beratung/Bildungsangebote rund um das Thema Behörden (bspw. Sozialhilfe, bürokratische Abläufe…) 25 (ca. 34%) 48 (ca. 66%)

Bemerkung: Einige Befragten nahmen wahr, dass in der obigen Auflistung von geleisteten sozialen Dienstleistungen seitens des I.I.S. e.V. folgendes fehlte: Moscheeführungen für Schulklassen, Raumbereitstellung für nationale muslimische Gemeinden, welche keine Moschee in Frankfurt haben, Raumbereitstellung für diverse religiöse Feiern, darunter Hochzeiten, Aufklärung für kriminelle Jugendliche sowie Mobilisierung von humanitärer Hilfe.11

Obige Tabelle dokumentiert, dass ein Drittel der sozialen Dienstleistungen mindestens 75% aller Befragten bekannt sind. Mindestens die Hälfte der Befragten kennt ca. 39% der sozialen Dienste des I.I.S. e.V. Die verbleibenden ca. 28% der sozialen Dienstleistungen kennen mindestens ein Drittel der Teilnehmer der Onlineumfrage. Daraus ist zu entnehmen, dass der Verein als sozialer Dienstleister eine gewisse Bekanntheit innehält.

d) Unerfüllte Nachfrage von sozialarbeiterische Dienstleistungen der Moscheegemeinde12

Geschätzter Anteil der unerfüllten Nachfrage von soz. Dienstl. Innerhalb der Moscheegemeinde in %
Geschätzter Anteil der unerfüllten Nachfrage von soz. Dienstl. Innerhalb der Moscheegemeinde in %
Teilnehmende (Durchschnitt) 29%
Moscheebesucher 19%
Engagierte 40%
Externe Kooperationspartner 50%

Bemerkung: Zu den soziale Diensten, welche innerhalb der Moscheegemeinde angefragt, jedoch nicht angeboten werden, zählen nach den Befragten u.a. bei Mehrfachnennung Folgendes: Betreuungsleistungen innerhalb ambulanter Pflege, Formularhilfen, Behördenbegleitung, Übersetzungsdienste, Berufsberatung, Bildungsberatung (bezüglich des Schulsystems und Schullaufbahn), Unterkunft für in Not Gekommene für jeden Anfragenden, finanzielle Hilfen, Mädchentreff, Ausbau der Konfliktberatung für Eheleute, Jugendfreizeiten, Bildung für Frauen, Jobberatung, Streetwork, offene Jugendarbeit, Beratung zur Integration für Familien, Beratung und Unterstützung im Wechsel von Schule in Beruf (-sausbildung), Suchtberatung, Anti-Gewalt-Trainings, religiöse Kindererziehung, Betreuung von Scheidungskindern, Partnersuche, Stadtteilarbeit sowie Förderung von politischer Teilhabe.13
Aus der unerfüllten Nachfrage nach speziellen sozialarbeiterischen Dienstleistungen wird das Vorhandensein eines nachfragenden bzw. potentiellen Kundenstamms deutlich und damit die Ausbaufähigkeit bzw. Notwendigkeit dazu im Rahmen von beschränkten Strategieanpassungen. Folglich geht hervor, dass der thematisierte Verein sich auch künftig als Sozialeinrichtung behaupten kann.

e) Empfundene Wichtigkeit von sozialen Dienstleistungen seitens der Moscheegemeinde14

Die Frage inwiefern es als wichtig empfunden wird, dass eine Moscheegemeinde nicht nur Religiöses anbietet, sondern auch soziale Dienste leistet, haben die Teilnehmer durchschnittlich mit dem zweithöchsten Wert, mit Tendenz zum Höchstwert, von insgesamt sieben Werten beantwortet. Eine geringe Streuung trat hierbei auf, so dass alle bis auf ca. 9% der Teilnehmer im zustimmenden Bereich ihre Wahl verorteten.

Stimmen (Durschnitt fettgedruckt geschrieben)

Zustimmungsgradngsgrad
Zustimmungsgradngsgrad
Teilnehmer insgesamt Überhaupt nicht wichtig- -13 11 1543Sehr wichtig
Moscheebesucher - - 136928
Engagierten----118
Externe Kooperationspartner----457

f) Inwiefern zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moschee soziale Dienste gehören15

Dass zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moschee gehört, dass sie soziale Dienste anbietet, wurde mit einer großen Streuung beantwortet, vom zweitniedrigsten zustimmenden Wert bis zur vollsten Zustimmung (von insgesamt sieben Werten). Durchschnittlich wurde zwischen dem dritt- und zweithöchsten zustimmenden Wert von insgesamt sieben möglichen Werten gewählt.16

Zwischenergebnis der Onlineumfrage

Die jeweiligen Ergebnisse der thematisierten Fragestellungen lassen allesamt den Schluss zu, dass es sich bei der Moscheegemeinde des I.I.S. e.V. um eine Sozialeinrichtung handelt. Dieser Schluss muss gezogen werden, da die Inanspruchnahme von sozialarbeiterischen Dienstleistungen in der Moscheegemeinde sowie die Kenntnis über solche Fälle seitens der Befragten signifikant hoch ist. Ebenfalls ist der geschätzte Anteil von sozialarbeiterischen Diensten an den Gesamtleistungen der Moscheegemeinde bei allen befragten Gruppen hoch ausgefallen, wie auch die Kenntnis über in der Moschee geleistete soziale Dienstleistungen. Auch das Vorhandensein eines nachfragenden bzw. potentiellen Kundenstamms und damit auch die Zukunftsfähigkeit der Moscheegemeinde als Sozialeinrichtung gehen aus den Antworten der Befragten hervor. Gleichfalls wurden sowohl die empfundene Wichtigkeit von sozialen Diensten seitens der Moscheegemeinde als auch die Ansicht der Mitwirkenden, dass zu den religiösen Hauptaufgaben einer Moscheegemeinde auch soziale Dienstleistungen gehören, substanziell belegt.

 

Fazit & Relevanz der Ergebnisse & Ausblick

Gemäß den durchgeführten qualitativen und quantitativen empirischen Studien ist die Moschee als Sozialeinrichtung etabliert.

Nach der Feststellung des Vorhandenseins einer bisher vernachlässigten Einrichtung der Sozialen Arbeit – in diesem Fall Moscheegemeinden – muss es aufgrund der Klientenzentrierung der Sozialen Arbeit Ziel der Profession sein, das dortige Angebotsportfolio zum Wohle der Klienten weiter auszubauen bzw. das bestehende weiter zu professionalisieren. Dieser Aufgabe müssen sich u.a. folgende Institutionen der Sozialen Arbeit stellen:

  • Wohlfahrtsverbände
  • Jugend- und Sozialämter
  • Fachhochschulen und Universitäten, welche Soziale Arbeit als der Studiengang führen
  • Universitäten, welche Islamische Studien anbieten, da innerhalb dieser gemäß den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Einrichtung von Islamischen Studien in Deutschland das Personal für die von islamischen Verbänden und Moscheegemeinden geleistete Sozial- und Gemeindearbeit in einem eigenständigen Studiengang ausgebildet werden soll
  • die Moscheegemeinden.

Die Klärung folgender Fragen wird zentral bei der Erweiterung und Professionalisierung der sozialarbeiterischen Dienste sein, welche innerhalb von Moscheegemeinden geleistet werden:

  • Welche sozialarbeiterischen Dienstleistungen werden in Moscheegemeinden erbracht und warum werden diese angeboten bzw. angefragt?
  • Welche Zusammenarbeiten gibt/gab es zwischen Institutionen der Sozialen Arbeit und Moscheegemeinden um sozialarbeiterischen Dienstleistungen innerhalb von Moscheen zu professionalisieren?
  • Inwiefern können Moscheegemeinden spezielle Ansätze bzw. Elemente für die Soziale Arbeit mit muslimischen Klientinnen anbieten, welche als Minderheiten innerhalb einer Gesellschaft leben und warum? Wie sind diese Ansätze aus professioneller Sicht zu bewerten?
  • Wie können sich, zum Wohle der KlientInnen und im Sinne einer Klientenzentrierung der Sozialen Arbeit, diese Dienste im Idealfall entwickeln?
  • Welche Voraussetzungen, bzw. Bedingungen gegeben sein müssen gegeben sein, damit die Zusammenarbeit zwischen Institutionen der Sozialen Arbeit und Moscheegemeinden ihr volles Potenzial ausschöpfen kann?
  • Welche Grenzen, Herausforderungen und förderlichen Potenziale (u.a. berufsbildliche, weltanschauliche sowie auf den Ebenen der religiösen Vorstellungen der KlientInnen und Dienstleister) existieren für diese Zusammenarbeit?
Quellennachweise:
  1. Aus Sicht des Autors sind diese: Der Jugend- und Frauentreff, der Infoladen, die Öffentlichkeitsarbeit, der Quranrezitationskurs und der wöchentliche Bildungskurs am Donnerstag. []
  2. Vgl. Johari: Experteninterviews I,II, III, IV, Abschnitt über Soziale Arbeit, Antworten auf Frage 5. []
  3. Vgl. Johari: Experteninterviews I,II, III, IV, Abschnitt über Soziale Arbeit, Antwort auf Frage 1. []
  4. Vgl. Johari, Mohammed: Experteninterviews I,II, III, IV, Abschnitt über Soziale Arbeit, Antwort auf Frage 6. []
  5. Vgl. Johari, Mohammed: Experteninterviews I, II, III, IV, Abschnitt über Soziale Arbeit, Antwort auf Frage 7 []
  6. Vgl. Klüsche: Befähigung zur Konfliktbewältigung. In: Professionelle Identitäten in der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik, S. 93. In: Kleve: Geschichte, Theorie, Arbeitsfelder und Organisationen Sozialer Arbeit. S: 56f. http://sozialwesen.fh-potsdam.de/uploads/media/Geschichte_Theorie_Arbeitsfelder_und_Organisationen.pdf (zuletzt abgerufen am 29. September 2013 []
  7. Vgl. Johari: Experteninterviews I,II, III, IV, Abschnitt über Soziale Arbeit, Antwort auf Frage 4. []
  8. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Fragen 5 und 6. []
  9. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 9. []
  10. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 2. []
  11. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 4. []
  12. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 7. []
  13. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 8. []
  14. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 1. []
  15. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 10. []
  16. Vgl. Johari: Onlineumfrage zum Thema Soziale Arbeit in Moscheegemeinden. Antworten auf Frage 10. []