Erleichterung als Charakteristikum des Islam

Der Islam ist – oft entgegen abweichender Vorstellungen von Muslimen, eine Religion der Erleichterung und geht folglich mit der Natur des Menschen einher. Wie könnte es auch anders sein, schließlich kennt der Schöpfer des Menschen Seine Schöpfung und weiß dementsprechend auch, was der Mensch zu verstehen und leisten vermag, wie auch, dass der Mensch auch immer Fehler und Sünden begehen wird, folglich der Vergebung bedarf:

يُرِيدُ اللَّهُ أَنْ يُخَفِّفَ عَنْكُمْ وَخُلِقَ الإِنسَانُ ضَعِيفاً

Allah will eure Bürde erleichtern; denn der Mensch ist schwach erschaffen.4:28

 

الآنَ خَفَّفَ اللَّهُ عَنكُمْ وَعَلِمَ أَنَّ فِيكُمْ ضَعْفاً

Jetzt (aber) hat Allah es euch leicht gemacht. Er weiß ja, dass in euch Schwaches (angelegt) ist.8:66

  So ist der Islam als offenbarte Religion Gottes auch – wenn richtig gelebt – Quelle der Glückseligkeit:

طه• مَا أَنْزَلْنَا عَلَيْكَ الْقُرْآنَ لِتَشْقَى

Wir haben den Qur’an nicht auf dich (als Offenbarung) hinabgesandt, damit du unglücklich bist.20:2-3

Gerade in den Suren und Passagen des Qurans, in welchen Regelungen behandelt werden, betont Allah immer wieder, dass das Geforderte Erleichterung und nicht das Gegenteil bewirken möge:

وَمَا جَعَلَ عَلَيْكُمْ فِي الدِّينِ مِنْ حَرَجٍ

Er hat euch erwählt und euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt…22:78

يُرِيدُ اللَّهُ بِكُمْ الْيُسْرَ وَلا يُرِيدُ بِكُمْ الْعُسْرَ

Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis.2:285

  Dieser Vers schließt eine Thematisierung des Fastenmonats ab – wie kann hier jemand noch behaupten, dass das Fasten überfordern und nicht nur herausfordern soll?!

مَا يُرِيدُ اللَّهُ لِيَجْعَلَ عَلَيْكُمْ مِنْ حَرَجٍ وَلَكِنْ يُرِيدُ لِيُطَهِّرَكُمْ وَلِيُتِمَّ نِعْمَتَهُ عَلَيْكُمْ لَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ

Allah will euch keine Bedrängnis auferlegen, sondern Er will euch reinigen und Seine Gunst an euch vollenden, auf das ihr dankbar sein möget.5:6

Dies ist der Schlussteil im Vers, welcher die Gebetswaschung behandelt – und gerade hier wählen Geschwister des Öfteren im Rahmen der verschiedenen möglichen Auffassungen zu einzelnen Fragen der Gebetswaschung die erschwerendere Ansicht…. Unter Anderem die folgende Sure ist Basis für das von den Gelehrten extrahierte Rechtsprinzip, dass immer, wenn eine Angelegenheit überfordert, dies auch eine Erleichterungsmöglichkeit nach sich zieht:

(بسم الله الرحمن الرحيم) أَلَمْ نَشْرَحْ لَكَ صَدْرَكَ • وَوَضَعْنَا عَنكَ وِزْرَكَ • الَّذِي أَنقَضَ ظَهْرَكَ• وَرَفَعْنَا لَكَ ذِكْرَكَ • فَإِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْراً • إِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْراً • فَإِذَا فَرَغْتَ فَانصَبْ • وَإِلَى رَبِّكَ فَارْغَبْ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen Haben Wir dir nicht deine Brust aufgetan / und dir deine Last abgenommen die deinen Rücken niederdrückte, / und dir dein Ansehen erhöht? Also gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung, / gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung./ Wenn du nun fertig bist, dann strenge dich an, / und nach deinem Herrn richte dein Begehren aus.94. Surah

Auch die prophetischen Worte und Taten führen – wie in jeder Angelegenheit – den Geist des Quran in dieser Frage fort:

  • Aisha (ra) sagte: „Wann immer der Prophet (saw) die Wahl zwischen zwei Dingen hatte, wählte er das leichtere, es sei denn dies wäre eine sündhafte Handlung.“ (Bukhari)
  • Der Prophet (saw) hat gesagt: „Religion ist leicht; und niemand macht die Religion schwerer, ohne, dass sie ihn übermannt. Leitet daher zum Rechten und seid maßvoll und freut euch und bittet um (Allahs) Hilfe frühmorgens, abends und in einem Teil der Nacht.“ (Abu Huraira; Bukhari)

Der Gelehrte Ibn Taymiyyah, (ابن تيمية, gest. 1328 n.H.) klärte auf, dass im Rahmen des Erlaubten das Nützliche der Mühsal vorzuziehen ist, denn „Allahs Zufriedenheit besteht weder in der Qual der Seelen noch darin, diesen Mühsal aufzuerlegen, so dass man also nicht sagen kann, dass je mühseliger eine Tat ist, desto besser diese sei. Es ist vielmehr die Auffassung der Unwissenden, dass der Lohn in allen Dingen mit der Höhe der Mühe steige. In Wirklichkeit ist der Lohn abhängig vom Grad des Nutzens und der Vorteilhaftigkeit der Tat.“1

Quellennachweise:
  1. Vgl. هل الأجر على قدر المشقة أم على قدر المنفعة ـ الزهراني In: Ahmad, Abu Ubayda Ali „مشقة الصيام في الغرب صيفاً وأثرها في التخفيف“ (Mühsal des Fastens im Sommer im Westen und ihr Effekt auf die Erleichterung), S. 33. []